Mit dem Rad nach Tarifa

Was hat eine Reise mit einer DAN Prüfung gemeinsam?

Die Wartezeit hatte ein Ende - Altersteilzeit -passive Phase. Endlich konnte ich so lange reisen ohne einen Urlaubsantrag zu stellen.

Und wohin und wie? Nachdem Erich den jährlichen Tarifa Termin bekannt gegeben hatte, war klar die Reise geht nach Tarifa und zwar mit dem Rad.

Wie bei einer DAN Prüfung kam die Frage auf welche Katas oder Route nehme ich.

Also erstmal die Senseis Google Maps und Komoot befragt.

Die Route sollte nicht zu viele Höhenmeter haben, also keine Unzu über die Alpen oder Pyrenäen aber auch nicht zu langweilig wie die Jion.

Ein Routenvorschlag ging von Nürnberg Richtung Westen bis zum Atlantik und dann relativ direkt Richtung Süden bis Tarifa.

Die andere Variante war über das Rhonetal zum Mittelmeer und von dort erst mal der Küste bis Valencia folgen. Von dort dann quer durch Spanien bis Tarifa.

Ich entschied mich für Variante 2 die mit 2800 km und 16700 Höhenmetern angegeben war.

Als Fahrrad wählte ich mein Mountainbike (Hardtail) mit glatter Bereifung. Die beiden Satteltaschen sollten an einem Gebäckträger hängen der an der Sattelstütze fixiert wurde.

Am Montag den 4 Mai war es dann soweit. Die erste Etappe war bis Rothenburg geplant und mit 90 km nicht extrem lang. Sie diente natürlich auch zum Test, ob das Material und der Mensch das auch aushält. So ähnlich wie bei der ersten Dan Vorbereitung, wo der Sensei dich erst mal begutachtet, ob du auch für die DAN Prüfung geeignet bist.

Um circa 16 Uhr war ich dann am vorgebucht Quartier und der Test war bestanden.

In den nächsten beiden Tagen ging es dann auf Radwegen und Nebenstraßen Richtung Heilbronn und Karlsruhe, wobei ich vermied, durch größerer Städte zu fahren.

Schnell war klar, dass 120km pro Tag problemlos machbar waren, solange die Bedingungen nicht zu extrem sein sollten.

Doch schon am Ende der dritten Etappe musste ich über eine Stunde im strömenden Regen zurücklegen, bis ich total durchnässt im Hotel ankam.

Am nächsten Morgen war dann erstmals Föhnen der Klamotten und Schuhe angesagt, bevor es zum Rhein ging.

Hier kam ich nach flachen Kilometern zu einer Fähre, die mich kostenlos übersetzte und schon war ich in Frankreich angekommen. Hier waren die Fahrradwege prima und super ausgeschildert, so dass ich die den Routenplan von Komoot nur selten nutzen musste.

Am Nachmittag war ich dann in Strassburg mit ein bisschen Siteseeing. Zum Übernachten war es zu früh also ging es noch weiter Richtung Süden an einem wunderschönen Kanal entlang.

Die Quartiersuche für den nächsten Tag machte ich übrigens meist am Abend mittels booking.com, was immer problemlos funktionierte.

Da ich am nächsten Tag mir noch Colmar anschauen wollte (sehr schöne Altstadt) wich ich von der geplanten Route ab, was dazu führte, dass ich auf einmal auf normalen Straßen mit Autoverkehr unterwegs war.

Also so schnell wie möglich auf die Komoot Route zurück, die mich in den nächsten Tagen am Rhein Rhone Kanal entlang führte. Dieser Abschnitt gehörte zum Eurovelo Weg 6 über Besancon und Dole. Man fährt wunderschön ohne große Höhenmeter entlang der Doubs bis zur Saone. Hier verlässt man den Eurovelo und folgt der Saone bis Lyon immer auf Fahrradwegen entlang berühmter Weinberge (Hermitage).

Lyon entpuppte sich als schöne Altstadt in Kombination mit moderner Architektur, die von den beiden mächtigen Flüssen Saone und Rhone eingekeilt ist. Dies führte zu einem weiteren Ruhetag, um die schönen Seiten von Lyon näher zu betrachten.

Die nächsten Tage ging es dann Richtung Süden entlang der Rhone bis Avignon. Avignon war mir dann zu überlaufen, so dass ich hier nur circa 1 Stunde verbrachte und mir dafür eine kleinen Umweg über die Pont de Garde (einfach grandios) gönnte. Über Nimes (auch sehr schön) und Montpellier (nur gestreift) erreichte ich dann das Mittelmeer.

Hier gab es dann die erste größerer Pause mit drei Strandtagen, bevor es immer wunderschöne entlang der Küste Richtung Spanien ging. In Argles sur Mer führte die Route mich weg vom Meer und hinauf (mit kleiner Schiebepassage da zu steil) Richtung Grenze.

An High Noon erreichte ich am 25. Mai Le Perthos und damit Spanien. Vorbei war es mit den wunderschönen Radwegen.

Die Strecke bestand jetzt meist aus kleineren Straßen, die auch mal Schotterpisten sein konnten. Über Girona ging es nach Barcelona. Hier überzeugten mich die Hotelpreise nur eine Nacht zu verbringen und Barcelona schnell hinter mir zu lassen. Aufgrund der Größe von Barcelona war dies jedoch nicht so schnell zu bewerkstelligen. Bis kurz vor Valencia ging es dann entlang dem Mittelmeer mit einem weiteren Strandstopp nähe Altafulla. Ab da hatte ich mit einem Sonnenschirm einen weiteren Begleiter.

Am 3 Juni begann dann die Prüfung mit der ersten Kata, jedoch wusste ich das noch nicht (kleiner Unterschied zur Dan Prüfung). Die Entscheidung von Valencia in Landesinnere Richtung Tarifa zu fahren und nicht weiter der Küste zu folgen, hab ich schon vorher getroffen, jedoch wollte ich auch noch Valencia vermeiden.

Dies führte dann zu 136 km mit 1470 Höhenmetern bei circa 36° C im Schatten und Schatten gab es praktisch nicht.

Nachdem die Hochebene erreicht war, ging es am nächsten Tag Richtung Albacete. Ich dachte das wäre flach aber weit gefehlt. Ein Auf und Ab ergaben wieder 130 km mit circa 1200 Höhenmetern dazu noch ein bisschen Gegenwind. Das war dann die zweite Kata.

In Albacete entschied ich mich von der ursprünglichen Route abzuweichen und einen Umweg über Cordoba einzulegen.

Am 5 Juni erreichte ich den höchsten Punkt der Tour mit 1058 m bei Robledo.

Der 8. Juni war dann der Tag mit der letzten Kata und ich hatte Cordoba erreicht. Allerdings ging es die letzten 4 Stunden über Wanderwege (Camino de Santiago - Pilgerweg nach Santiga de Campostella) mit Schiebepassagen, Staubpisten und extremer Hitze.

Dafür gönnte ich mir drei Tage in einem wunderschönen Hostel in der Altstadt zu sensationell günstigen Preis (30¬ pro Nacht) und einer immer wieder beeindruckenden Mezquita. Da müsst ihr hin.

Die beiden letzten Etappen führten mich dann über Jerez de Fontera, Medina-Sidonia nach Tarifa und sollten die Prüfung mit dem Bunkai abschließen.

Dies war aber kein Bunkai mit einem Partner, das man vorbereitet hatte, sondern ein echter Kampf. Und der Gegner hieß Levante, ein heißere Wind aus dem Mittelmeer der mich von schräg vorne mit Böen von über 80 km/h traf.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit reduzierte sich von 20 auf 14 km/h und ich hatte Mühe mich auf den Rad zu halten.

Am 13 Juni um 17.38 hatte ich das Ortschild von Tarifa erreicht. Die Prüfung war erfolgreich abgeschlossen. Eine Urkunde gab es nicht.

Adios und Ozz Matthes


P.S. Ein paar Daten und Wertungen zur Tour:


Vergleich der drei durchreisten Länder: